Südengland-Tour im Juni 2011

 
Tag1

Donnerstag morgen 08:30 Uhr, Lars holt mich ab, Räder drauf, Gepäck ins Auto und los geht es nach Calais, ca. 450km von Köln bis zum Hafen. Den Wagen konnten wir direkt am Hafen kostenlos abstellen und die Tickets für die Passage nach England kaufen, 2 Personen + Räder ca. 80,-.

Als einzige Radfahrer, durften wir zuerst in den Bauch der P&O Fähre fahren, die Reise begann nun Richtung Dover. Lars, ist mal gleich eingepennt und ich beobachtete die anderen Reisenden,- einer hatte in den 1,5 Std. der Überfahrt, gleich ein Sixpack geleert...England wir kommen :-)

Diesmal gingen wir als letzte von Bord, die Abgase haben bestimmt bleibende Schäden verursacht :-). Eigentlich wollten wir an die Ostküste fahren, hatten uns aber lieber in Richtung Westen aufgemacht, Folkstone war das erste Ziel. Nach ersten Hürden des Linksverkehrs, fast hatte mich ein Bus angefahren, fanden wir auch einen Radweg (N2), der uns nach wenigen km auf die Steilküste der Kreidefelsen führte. Laut Garmin, 250m üNN standen wir nun am Abgrund, absolut fantastisch und das Wetter mittlerweile auch. Die N2 führt einen Radfahrer gerne abseits der Strassen, immer weit rauf mit super Blick über Folkstone, ein wahrer Bremsentest war die anschließende Abfahrt in die kleine Hafenstadt. Wir versorgten uns dort mit 200 Pfund und da das Rad gut rollte, ging es im Gegenwind Richtung Hyde, immer an der Küste entlang, die Sonne im Gesicht. Nach gut 45km hatten wir genug, wir suchten einen Campingplatz und beim zweiten Anlauf hatten wir auch Glück. Wir bauten unsere Zelte auf und endlich eine warme Dusche, Lars packte den Kocher raus und machte ein paar Nudeln mit Tomatensauce warm, eine Tasse Kaffee dazu,- prima! Die Welt war in Ordnung, wir fragten den Hausmeister wo wir noch ein paar Bierchen trinken konnten und fanden gleich in der Nähe ein Pub mit Livemusik.

 
Tag2

Der nächste Morgen, ein herrliches Wetter, wir packten alles in Ruhe zusammen, ja mittlerweile schon eingespielt und zahlten den Platz - mit 4 Pfund pro Nase sehr günstig. Es ging weiter in Richtung Westen. Das Ziel war Hastings, ein altes Seebadörtchen mit Geschichte. Den ersten Ort, den wir erreichten, nennt sich Dungeness bei Landsend, eine unwirkliche Landschaft, ohne irgend einen Baumbewuchs, Gras, einfach nichts Grünes. Von weiten vernahmen wir etwas, das wie ein Kraftwerk aussah, es erinnerte uns stark an die kürzlich in Japan durchgebrannten Atommeiler, da die Bauweise die gleiche war. Naja, so war es dann auch, erstaunlich wie nah wir mit unseren Rädern daran vorbei radeln konnten. Wir fanden einen Pub, The Pilot Inn, bestellten Fish& Chips und Mushy Peas. Ein Pint dazu, sehr lecker. Erstaunt hatte uns im Pub, eine Karte, die dazu aufforderte doch seine Veteranen willkommen zu heißen und einzuladen. Die Engländer gehen damit anders um als die Deutschen. Neben den zwei Leuchttürmen, gibt es als weitere Attraktion, eine kleine Dampflockfahrt..Touristen kommen doch wirklich deshalb hierhin.

Wir sind jedenfalls weiter, über Camber, Rye und Hastings. Die N2 führte uns gefühlt in einem weiten Bogen um Hastings herum immer die Hügel rauf, durch schnelle Abfahrten belohnt. Generell wurden wir total freundlich begrüßt, ja fast wie Stars auf Rädern...ist ja kaum jemand mit dem Rad unterwegs. Viele riefen immer wieder ein fragendes Wort..Dutch? - naja fast :-)
Nach 75km erreichten wir Hastings, ein kurzes Gespräch mit Engländern und wir wussten wo der Campingplatz zu finden war, nämlich, wer hätte es geahnt, ganz oben auf dem Hügel. Also ein letztes mal an diesem Tag in die Padalen treten und rauf. Das Wetter hatte sich gegen Abends dann verschlechtert, Sturm und Regen, egal, die Zelte waren aufgebaut und drinnen war es schön warm und trocken.

 
Tag3

Wir beschlossen einen Tag in Hastings zu bleiben, aßen unser zweites Fish&Chips und mich überkam Schüttelfrost. Ich nahm 3 Beechams und hatte mich ins Zelt gelegt und bis zum nächsten Tag durchgepennt.

 
Tag4

Wir wachten regelrecht in einer Wolke auf, der gesamte Platz war weiß eingehüllt und ich sah Lars den Hügel raufkommen und mußte an den Film Highlander denken:-) Jetzt noch einen Kilt und die Situation wäre perfekt gewesen. Es war ein frischer Tag und wir packen die nassen Sachen zusammen und machten uns auf den Weg nach Brighton, unser nächstes Ziel. Zugegeben, wir haben die zweite Nacht geprellt und die Kohle lieber in ein gutes Frühstück investiert, kein Wunder, bei 16 Pfund für die Nacht. Das Frühstück gab es direkt am Strand bei Bexhill. Die Fahrt ging weiter, immer die N2 entlang. Bei Pevensy wechselten wir dann auf die N21, da die N2 weiterhin in riesigen Bögen in die Landschaft führte und auch ordendlich Höhenmeter macht. Es ging von nun an immer am Meer entlang, Richtung Eastboune, sehr nobles, gepflegtes Seebad. Hier angekommen, bekam ich einen ziemlich miesen Schmerz in der Brust und rang nach Luft. Ich vermutete das die fiebrigen Tage zuvor daran Schuld sein und wir machten eine Pause, aßen ein 99:) und schauten dem Veteranen Treffen zu. Manche der sehr alten Männer hatten viel Lametta an der Jacke und sahen aus wie aus dem 1. Weltkrieg. Schön war es auch, weiteren älteren Herren bei  ihrem Boule-Spiel zuzusehen, alles in allem sehr entspannt.

Es ging wieder auf die Räder und nach ca. 100HM durchbrachen wir die Wolkendecke und bestes Wetter wartete auf uns :-) Wir hauten uns ins Gras, breiteten alle nassen Sachen aus und schliefen eine Runde, beziehungsweise Lars schlief und ich ging los um zu entdecken. Irgendwie hatte ich das Gefühl in der Nähe von etwas besonderem zu sein, ohne es zu wissen. Ja so war es dann auch, wir waren direkt an der berühmten Steilküste von Beachy Head, da wo so viele jedes Jahr runterspringen, die vielen Blumen sind die stillen Zeugen. Das ist schon erstaunlich ohne jeglichen Schutz so nah am Abgrund von 200m zu stehen, ein Vogelgefühl. Lars hatte sich gleich mal dort flach gelegt und längere Zeit runter geschaut.

Nach ein paar Fotos und anschließend längeren Abfahrt (sehr cool), ging es über Friston, Westdean, Seaford, Newheaven, Peacehaven nach Brigthon. Die Tour war ca. 85km lang, bei weiterhin bestem Wetter, es war schon recht heiß an diesem Tag.

In Brigthon angekommen, sind wir erst einmal die Corniche entlang gefahren und haben das Wochenendflair dieser schönen Stadt genossen, überall war etwas los, Bands aus London, die an jeder Ecke spielten, Menschen aller Hautfarben friedlich miteinander, war einfach super hier und für uns klar hier ein, zwei Tage zu bleiben.

 
Tag5
Brigthon
 
Tag6
Brigthon - Dover; es ging wieder zurück, diesmal mit dem Zug in Richtung Dover. Das der Zug sich irgendwann aufgeteilt hatte, bekamen wir nicht mit und waren auch natürlich im falschen Zugteil. Canterbury, also auf die Räder durch die Stadt zum nächsten Bahnhof in Richtung Dover. Dort angekommen, verabschiedeten wir uns von einem Mitradler, der nach Dünnkirchen wollte, kauften die Fährtickets und es ging direkt in die Fähre. Die Rückfahrt war entspannt, außer das wir uns mal bei Aachen verfahren hatten. Auf der anschließenden Fahrt über die Landstraße hatten wir auch zu allem Unglück noch ein Tier überfahren, vermutlich einen Fuchs, jejeh so ist das mit dem Autofahren. Spät am Abend erreichten wir Köln, einen Tag früher als geplant.